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Vor fünf Jahren war die Euphorie groß. Europas größtes Seltene-Erden-Vorkommen bei Storkwitz (Delitzsch) hatte sich durch Tiefenbohrungen bestätigt. Bohrkerne wurden untersucht. Dann die Ernüchterung: Der Anteil der Seltenen Erden im Erz ist gering, eine Aufbereitung äußerst aufwendig. Jörg Reichert, von Anfang in das Projekt involviert, sieht wenig Chancen.

Schweres Bohrgerät drang bis in 700 Meter Tiefe vor. Die Bohrkerne wurden umfangreich untersucht. Quelle: Manfred Lüttich

Von Ditmar Wohlgemuth

Delitzsch. Das Projekt Seltene Erden im Delitzscher Ortsteil Storkwitz ist endgültig gestorben. Die anfängliche Euphorie von vor fünf Jahren ist damit der Realität gewichen. Auf diesen einfachen Nenner lassen sich jetzt Aussagen von Jörg Reichert, Vorstand der Ceritech AG, vormals Chefgeologe der Deutsche Rohstoff AG, bringen. Die Ceritech AG entstand aus der Seltenerden Storkwitz AG. Auf Anfrage äußerte er sich zum aktuellen Stand und machte für das Vorhaben wenig bis gar keine Hoffnung. Selbst wenn die Situation um die Seltenen Erden weltweit kritischer würde, die Preis in die Höhe schnellen, sähe Reichert in dem Storkwitzer Vorhaben eher keine Zukunft. „Viele andere Projekte bietet deutlich bessere Bedingungen“, sagte er und deutete an, dass offenbar die größte Lagerstätten von SES in Europa doch nicht so lukrativ erscheint wie beim ersten Hinschauen und bei einer ersten Bewertung.

Lizenz zurückgegeben

„Bereits im Jahr 2015 haben wir die bergbauliche Erlaubnis zur Exploration, also zur Erschließung und Untersuchung der Lagerstätte, und die Abbau-Lizenz an das Sächsische Oberbergamt zurückzugeben.“ Als Grund nannte er das schlechte Ergebnis einer Aufwand-Nutzen-Rechnung. „Wir hinterfragen Projekte fortwährend wirtschaftlich“, ergänzte Reichert. Im Fall der Lagerstätte Storkwitz sah das Ergebnis nicht sehr gut aus. Insbesondere die Aufbereitung der im Bergbau bei Storkwitz gewonnenen Seltenen Erden wäre sehr aufwendig geworden, weil deren Anteil in den Erzen sehr gering sei.

Erste Bohrung 2012

Zu Erinnerung: Mitte 2012 hatte das Unternehmen die ersten Erkundungsbohrungen am Ortsrand von Storkwitz niedergebracht. Dabei wurde aus einer Tiefe von 700 Metern Material gewonnen, das die historischen Bohrungen und Schätzungen zu DDR-Zeiten bestätigte. Bei Storkwitz ist die einzige bekannte Lagerstätte für Seltene Erden in Mitteleuropa. Die sogenannte JORC-Ressourcenberechnung ergab, dass in der Lagerstätte Storkwitz etwa 20 100 Tonnen Seltenerdenoxide und 4000 Tonnen Niob liegen. Zu den Seltenen Erden (auch Seltenerdeelemente SES) gehören 17 Metalle und Elemente. Sie sind zum Großteil unverzichtbar bei der Herstellung von Hochtechnologieprodukten, sie finden Verwendung bei energiesparenden Leuchtmitteln bis hin zu Hochleistungsmagneten für Elektromotoren und Windräder.

Auf eine zweite Bohrung, die bis in eine Tiefe von 1200 Meter vordringen sollte, wurde verzichtet. Sie war ursprünglich für 2015 geplant.

Teil der Grundlagenforschung

„Die Bohrkerne wurden bereits wissenschaftlich untersucht und sie dienen auch künftig der Wissenschaft“, erklärte der promovierte Geologe Jörg Reichert. In der Universität Halle dienen sie der Grundlagenforschung. Im sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie würden die Bohrkerne zudem weiter untersucht. Insofern sei die Investition in das Vorhaben Storkwitz keineswegs umsonst gewesen. Leer ausgegangen sind allerdings die Investoren, wie Reichert bestätigte. „Sie haben von den Risiken gewusst und diese bewusst in Kauf genommen“, klärte er. Ihnen sei bekannt gewesen, dass es sich um eine unbekannt Exploration handelt, die zwar eine große Erwartungshaltung schürt, gleichzeitig aber auch hochrisikobehaftet war.

Industrieabfälle aufarbeiten

Das Unternehmen, dem Reichert vorsteht, konzentriere sich deshalb auf andere Projekte, die außerhalb Deutschlands liegen. Ziel sei es, unkonventionelle Verfahren zur Gewinnung Seltener Erden aus Sekundärlagerstätten zu entwickeln...

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