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Was niemand in seiner vollen Dramatik wirklich erwartet hatte, und am wenigsten die Massen von überschlauen bestbezahlten Analysten und anderen professionellen Weissagern, ist eingetroffen:

Die Rohölpreise sind drastisch eingebrochen. Nicht um bedenkliche  2,  3 oder 5 %, nein, seit Juni um satte 40 %. Das war ein echter Schluck aus der (Öl)Pulle und der Tiefpunkt im Tränental der Preise könnte künftig sogar noch etwas weiter absacken. 

Die seit den 60er Jahren mächtige OPEC leidet - eine völlig neue Erfahrung - und weiß sich keinen Rat. 

Die Saudis, als normalerweise Liefer- Preisschwankungen auf globaler Ebene ausgleichenden „Swing-Producer“, fühlen zum ersten Mal einen Stich. Nicht den eines der dort üblichen Wüstenskorpione, sondern den einer völlig neuen Gattung: des Ölskorpions. 

Natürlich sind auch alle anderen Ölproduzenten von den Wirkungen dieses Stichs betroffen, wenngleich im unterschiedlichen Maße. 

Das Skorpiongift entfaltete seine Wirkung sogar im nahezu gottgleichen Zentrum der Ölmacht:

Zum ersten Mal in der Geschichte des regierenden Königshauses Saud tritt in den Prunkgemächern ein völlig neues Phänomen auf: echte Sorgenfalten auf stark gerunzelten, aber ansonsten königlichen und prinzlichen Stirnen.  

Zumindest betrifft dies die führende Elite mit wirklicher Macht, die aus etwa 15 hochgestellten Prinzen und dem Herrscher selbst besteht. Die Schar der übrigen Prinzen, die aus etwa 7 500 Stück etwas weniger edlen Häuptern, immerhin in der Stärke einer militärischen Division besteht, zeigt vorerst noch kaum Besorgnis. Sie quengelt nur, wie üblich. 

Diese Luxus-Truppe, vom Herrscherpalast allmonatlich mit hohen fünf- und sechsstelligen Schecks beglückt, lebt unbekümmert weiter in - ihrer Meinung und ihren häufigen Stellungnahmen nach - „sehr moderatem, ja eigentlich dürftigem Wohlstand“.    

Eine Stufe darunter kommt dann die Verwaltung mit Monatsschecks zwischen umgerechnet 7 000 bis 25 000 €. Eine Lage tiefer lebt die Bevölkerung, die aus einem riesigen, nahezu geschlossenen Block von Saudi-Hartz-4-Empfängern besteht.  „Hartz-4 für praktisch alle“ kommt dem Königshaus nicht eben billig und die laufenden Kosten steigen weiterhin steil an. 

Der Grund für die Kostenexplosion ist simpel genug: Der Kinder sind gar viele und der Arbeitsplätze sind gar wenige.  Also muss die Bevölkerung mit großzügigen Schecks ruhig gestellt werden. Ansonsten würden die Unzufriedenheit der Untertanen sowie das revolutionäre Potential, und damit die Gefahr für die Obertanen, gefährlich steil ansteigen.   

Derzeit benötigt das System einen Fasspreis von mindestens 98 $ (für 2015 liegt der „Breakeven“ bei 106 $), um das Budget für Staats-Haushalt, Militär und „Volks-Ruhigstellung“ bestreiten zu können.  Dieser Effekt lässt sich kaum durch Alternativen in der Wahl anderer Wirtschaftszweige und deren Ausbau mildern, denn die Nation ist eindeutig ein „Einprodukt-Land“. Da heißt es: „Öl oder Nichts“.  Diese bedenkliche Sachlage erinnert geradezu zwanghaft an die politische Situation in Deutschland. Dort gilt offenbar das Motto: „Merkel oder Nichts.“ 

Zu heutigen Preisen, also um die 68 bis 70 $ herum, was derzeit einem 4-Jahrestief entspricht, entsteht im Saudi-Haushalt ein Defizit von etwa 18 bis 20 %. Dies kann nicht lange durchgehalten werden. 

Kürzt man die Bezüge der Hartz-4-Armeen, könnte ganz schnell etwas kommen, wozu sich der bekannte „Arabische Frühling“ in Ägypten und anderen Staaten wie ein Kindergartenpicknick ausnehmen würde, denn die Zahl der Unzufriedenen ist schon heute eine unbekannte, aber sehr hohe Dunkelziffer. 

Diese schließt paradoxerweise sogar die Heerscharen der 7 485 Kleinprinzen ohne Macht mit ein. Selbst dort gärt es leise vor sich hin. Die Oberprinzen beziehen dreistellige Millionenbeträge im Monat, und das Massenvolk der Mini-Prinzen, je nach Rang, nur einige zehn- oder hunderttausend Dollar alle 4 Wochen. 

Da kann einen schon tiefste Unzufriedenheit gar heftig packen. Man fühlt sich in diesen unterprivilegierten Kreisen von den Krallen der Armut heftig geschüttelt und darbt im Wüstensand oder auf Dauerurlaub in ausländischen Luxushotels leise klagend vor sich hin. 

Die traurige Statistik der öffentlichen Hinrichtungen in der Hauptstadt Riad würde dann im Falle offener Rebellion der Bevölkerung zwar von routinemäßig etwa 4 oder 5 täglich auf vielleicht 50 pro Tag ansteigen, doch dies wäre keine Dauerlösung. Einige 100 000 von gewalttätigen Revoluzzern lassen sich mit Massen-Exekutionen nicht ausreichend beikommen. Im Gegenteil, die Volkswut würde wie ein Sauerstoffgebläse in einem Koksbrand, schnell Höchsttemperaturen mit Weißglut erreichen und für massiven Zulauf sorgen. Der Monarch und sein Hofstaat müssten sich dann zu ihren im Ausland geparkten drei- oder vierstelligen Milliardenkonten und ertragreichen Sachwerten flüchten, um dort eine bescheidene - ja geradezu klägliche - Existenz in großer Trübsal zu führen. Im Inland dürfte irgendeine religiöse Partei die Schalthebel der Macht übernehmen. Mit weit reichenden und derzeit unkalkulierbaren Folgen für Wirtschaft, Finanzen und den gesamten Ölmarkt. 

Aber auch andere Länder und deren Sozialgefüge sind durch stark gefallene Ölpreise gefährdet. Dubai, die Emirate, Irak, Libyen, Katar, Venezuela, ja selbst Norwegen, kurz, alle „Öl-Wohlfahrtsstaaten“ wären ernsthaft angeschlagen, hielte die Frostperiode, mit der Bibel zu sprechen, auf den „Ölgärten“ und „Ölweinbergen“ längere Zeit an. Die finanzielle Ernte fiele dann wegen „Frostschäden“ miserabel aus. 

Etwas genauer: Algerien braucht 132 $ je Fass, um das Budget bestreiten zu können; Bahrain 127 $, Irak 111 $, Kuwait 55 $, Libyen 184 $, Oman 103 $, Katar 60 $, die Vereinigten Arabischen Emirate 79 $ und der Yemen 160 $. 

Chinas Ölgesellschaften schreiben bei 70 $ pro Fass rote Zahlen. Erst ab 95 $ weicht das Rot langsam dem Schwarz. Iran wie auch Venezuela brauchen 130 bzw. 160 $ je Fass, um wirtschaftlich zu fördern und die Haushalte zu bestreiten. Russland benötigt 100 $, um das Budget abzudecken. Putin gibt sich allerdings gelassen. Der Drohung der Saudis, den Fasspreis auf 60 $ zu drücken, begegnete er mit einem lakonischen „Nur zu, macht das nur, wir lassen uns davon nicht beeindrucken.“ 

Beeindrucken ließen sich allerdings die diversen Rohölkategorien. So fielen die Fasspreise von „West Texas Intermediate“ letzte Woche um 11 % auf 65 $. „Brent Nordsee Öl“ gab um 5 % auf 69 $ nach, „Nymex Heating Oil“ stürzte innert 2 Stunden um 8 % ab, und die „RBOB Gasoline Futures“ rutschen innert Stundenfrist um 10 % nach unten. 

Auf Talfahrt begaben sich natürlich auch die Aktien der Ölgesellschaften. Es war der steilste Kursrutsch seit über 40 Jahren. Wilhelm Busch hätte für seine entsprechenden Verse sicherlich eine passende Variante gefunden, wie: 

…und hulterpulter rumbumbum

stößt man das Preisgefüge um.

Am meisten litt das Bohrgeräte.

Und damit ist die schöne Fete

zu jedermanns Bedauern aus.

Der Ölmann eilt zum Bankenhaus

und denkt, wie er hineingeklommen

auch wieder so herauszukommen.

Viel Öl-Kredit zu Niedrigstzinsen

lässt selbst die Rockefellers grinsen.

Doch steht der Deal auf Messers Schneide,

die Banken selber sind ja pleite. 

Zunächst erwischte es die „Fracking-Aktien“. Die Oilshale-Gesellschaften, die bisher nahezu durchweg rote Zahlen schrieben, brauchen sehr viel höhere Preise, um in die Gewinnzone aufzusteigen. Der große Reibach beginnt für die Mehrzahl der Schieferöl-Produzenten bei vielleicht 200 $ je Fass. Jedoch: Wie heißt doch gleich der schöne Song: „It’s a long way to Tipperary…“ 

Über diese Thematik und die fehlende Nachhaltigkeit des ganzen Fracking-Ölspuks hat der Autor bereits ausführlich berichtet und potentielle Investoren gewarnt. An dieser Stelle wird daher auf eine Wiederholung verzichtet. 

Nur soviel: bisher handelt es sich beim Fracking zwar um hohe Produktionszahlen, doch wieder mal „alles auf Pump“ und in den roten Zahlen. Die entsprechenden Papiere will die Wall Street den gutgläubigen dummen Ausländern andrehen, was auch schon in Form des Transfers beachtlicher Aktienpakete gelungen ist. Alles wie gehabt. Man erinnere sich an die US-Immobilienblase, den zusammenbrechenden Häusermarkt, und die enormen Verluste der ausländischen Banken und Investoren, die sogar ganze Großbanken in den Abgrund rissen. Aber das Gedächtnis im Finanzbereich ist systembedingt sehr kurz. 

Einige Beispiele aus der Branchencrash-Szene: 

„Oasis Petroleum“: Diese Fracking-Oase trocknete mit einem Kursverlust von 30 % zusehends aus.

„Laredo Petroleum“ fiel um über 35 % im Kurs.

„Continental Resources“ (hält große Stakes in berühmten Bakken-Schiefergroßprojekt Nord Dakotas) hatte nach Ansicht der Börsianer anscheinend plötzlich weniger Ressourcen, jedenfalls wurde das Papier um fast 25 % zurückgestuft.

„Sanchez Energy“ straften die Börsen mit einem Minus von 32 % gleichfalls ab.

„Linn Energy“ gingen die Puste mit einem Verlust von 20 % ebenfalls aus. Die Valoren sackten damit auf den tiefsten Stand seit 12 Monaten ab. 

Die Zulieferindustrien, wie der Produzent schwerer Fahrzeuge, wie sie im Ölsektor zum Einsatz kommen, litten ebenfalls. „Trinity Industries“, beispielsweise, gaben um fast 14 % nach. Und sogar die gute alte Eisenbahn, die Chemikalien, technische Ausrüstungen und gewonnenes Schieferöl transportieren, wie z.B. „Union Pacific“, büßten etwa 7 % ein. Einen Kurs-Rückgang in etwa gleicher Höhe mussten die Öl-Service-Industrien, wie beispielsweise „Schlumberger“ hinnehmen. Auf die mächtige „Halliburton“ (zahlreiche führende Politiker der USA sind dort Großaktionäre) wurde an der Börse mit minus 12 % ein kleines Hallali geblasen, während „Baker Hughes“ mit einem vorläufigen Verlust von 8 % noch recht glimpflich davon kamen. 

Auch die im Küstenshelf engagierten Gesellschaften, wie „Seadrill“ (minus 10 %), die dazu noch die Dividende kürzte, oder „Transocean“ (minus 11 %) entgingen dem Börsen-Fallwinden nicht. 

Selbst die vorwiegend im fernen Europa engagierten Ölgesellschaften wie die französische „TOTAL“ (minus 8 %), die norwegische „Statoil“ (minus 13 %) sowie der britische Riese „BP“ (minus 7 %) blieben nicht verschont. Auch die Firmen, die in den kanadischen Ölsänden am Athabasca-Fluss in Alberta (und auch in Saskatchewan) aktiv sind, hatten deutliche Kursverluste ihrer Valoren zu beklagen. 

Ebenso der göttergleiche Global-Riese EXXON, wenngleich ein gigantischer Grauwal den Verlust von einigen hundert Kilo Blubber, die ihm kleine Börsenhaie herausreißen, kaum bemerkt und schlimmstenfalls nur unwillig grunzt. 

All dies sind keine Katastrophenmeldungen für die Aktionäre, doch der Glaube an die absolute Solidität von Öl-Unternehmen und deren „auf Jahrzehnte hinaus sicher steigenden Aktien und garantiert ewigen Dividenden“ erlitt einen tiefen, hässlichen Kratzer auf der ölig schimmernden Rüstung. Es waren bzw. sind noch immer, passend zum Wetter, trübe Tage für Öl-Aktionäre. 

Und die OPEC (Organization of Oil Exporting Countries)? Wo blieb die ihr vielfach voller Ehrfurcht nachgesagte Allmacht? 

Das Ende November wie fast immer in Wien arrangierte Treffen verlief völlig anders als allgemein erwartet. Den Analysten trieb der Wind ihre Prognosenpapiere fetzenweise ins verdutzte Gesicht. Bisher wurden die Fördermengen in Zeiten abrutschender Preise im kollektiven Interesse einfach gekürzt, und Wuppdich-Heida: die Fasspreise zogen wieder an. Die Welt war für die OPEC sofort wieder in Ordnung. Doch diesmal wurde - außer opulentem Tafeln - nicht viel erreicht. Ob nun der CIA, die Mossad oder der Neu-KGB unauffällig ein wenig „Obstinat-Pulver“ in die MokkaKannen und -Tassen der Ölfürsten gleiten ließ? Man wird es nie erfahren. 

Jedenfalls herrschte eine ausgesprochen „bockige“ Stimmung. Kaum einer wollte in Anbetracht der kriselnden Situation im Heimatland wirklichen und schmerzhaften Kürzungen zustimmen. Jeder braucht dringend „Cashflow“. Man konnte sich nicht auf die übliche Drosselung der Ölflüsse einigen. Nur Iran und Venezuela predigten wirtschaftliche Vernunft. Im Klartext: Lasst uns die Fördermengen etwas nach unten regeln, auf dass die Fasspreise sich im Bereich von 120 $ einpendeln mögen. 

Doch eine völlig andere, diametrale Entscheidung fiel, und zwar auf Grund der obstinaten Haltung des saudischen Ölministers: Seine These: „Kürzungen? Nichts da. Lasst die Märkte alles aussortieren.“ Natürlich war das eine Art Witz, denn „die Märkte“ werden seit Jahrzehnten im Wesentlichen durch die Saudis und ihr Quasi-Monopol „geregelt“. Freie Märkte im Ölsektor hat es also schon seit 42 Jahren nicht mehr gegeben. Die Saudis bestimmen die Preise und nicht das freie Spiel der Marktkräfte.

Fazit: Die OPEC wird kollektiv zumindest ein Jahr lang 30 Mio. Fass an jedem Kalendertag aus der Erde oder dem Meer pumpen. In Anbetracht der etwa 5 Mio. Fass, die täglich den US- Ölschieferlagern entnommen werden, bedeutet dies schlicht und einfach: vorerst sind keine Preissteigerungen zu erwarten. Gut für die Benzin-, Diesel- und Heizöl-Käufer, gut für Landwirtschaft, Kunststoff-Industrie, TransportBranche ganz allgemein, Luftfahrt und Schifffahrt. Schlecht für die crashenden Börsen in Saudi Arabien und den Golfstaaten sowie für Ölaktien weltweit. 

Wer ist der wohl größte Nutznießer der ganzen Affäre? Natürlich die USA und ihr Dollar, die beide im neuen Glanz erstrahlen. Dank Fracking ist man für diesmal fein raus. Die Lasten der „verkehrten Ölkrise“ werden andere Nationen tragen. Steht da vielleicht eine gekonnte „Planung“ dahinter? 

Die Wirkungen verleiten zu derlei Annahmen: Die Vertreter diverser Länder in schierer Not werden an der Wall Street angedackelt kommen, um demütig um Kredite bitten. Neue Abhängigkeiten von der amerikanischen Hochfinanz werden geschaffen. Gleichzeitig leiden die „Schurkenstaaten“ wie Venezuela, Iran und insbesondere Russland. Die Sanktionen treffen im Übrigen vor allem den deutschen Mittelstand mit über 6 000 in Russland aktiven Firmen und nicht die US-Konzerne. Alles ganz im Sinne der Verunreinigten Staaten von Amerika. 

Es ist jedoch aus heutiger Sicht hoch wahrscheinlich, dass die Fasspreise in einem Jahr wieder im Bereich von 100 $ liegen werden und in 4 bis 5 Jahren bei 200 $ oder sogar darüber. Die Periode der Tiefpreise kann leider nicht von Dauer sein. 

Die Förderkosten steigen, neue Felder werden immer seltener entdeckt und alle Reserven sind endlich, sogar die der Saudis. Entgegen wilder Gerüchte fällt derzeit die weltweite Nachfrage nach Erdöl nicht. Sie steigt weiter, wenngleich sehr langsam. China trägt einen Großteil zu dieser immer noch starken Nachfrage bei. 

Experten behaupten, dass der weltweite Ölkonsum etwa 5- bis 6-mal höher ist, als den frisch entdeckten Mengen neuer Ölquellen entspricht. Was es bedeutet, wenn der Verbrauch die Nachlieferung um mehr als das 5-fache dauerhaft übersteigt, kann sich jeder selbst ausmalen. Hierzu genügt eine halbwegs solide Ausbildung in einem der besser geführten EU-Kindergärten. 

Der Aufstieg der alternativen Energien verläuft quälend langsam und derzeit geht, auf ein bis zwei Jahrzehnte hin, das Ölzeitalter noch nicht zu Ende. Auch leben wir in einer Kunststoffwelt und diese frisst Erdöl wie eine riesige Sickergrube. An ein Ende des Plastikzeitalters aber ist nicht zu denken. Um mit Shakespeares Hamlet zu sprechen: „Öl oder Nicht-Öl, das ist hier (nicht) die Frage“. 

Deutschland dürfte von dieser kurzen Phase des Preisfrühlings unter dem Strich profitieren, d.h. solange Russland zuverlässig liefert. Mit einem Anteil von etwa 42 % russischen Öl- und Gases und 10 % der Kohle an der deutschen Energiebilanz ist das besetzte Land zu mehr als die Hälfte von Putins Lieferungen abhängig. Sollte Moskau jemals den Energiehahn abdrehen, was z. B. im Falle eines Krieges denkbar wäre, fiele Deutschland für eine Weile in die Jungsteinzeit zurück. Die Folgen eines solchen Ausfalles wären unausdenkbar. An dieser tödlichen Abhängigkeit dürfte sich auch so schnell nichts ändern. 

Wer würde sich im Katastrophenfalle die Hände vergnügt reiben? Die Herren in Washington und die US-Großkonzerne. Der Status der führenden Weltmacht und ihres allmächtigen, durch nichts gedeckten Dollars wäre gesichert, würde sogar auf Hochglanz poliert. Großmachtsallüren und die Dauerpräsenz von US-Militär in etwa 150 Ländern könnte man sich weiterhin leisten. Wie sagte der vormalige Außenminister Kissinger doch so schön: „Die USA (und ihre Konzerne) haben keine Freunde, nur Interessen“. Für die Ausweitung und Erhaltung derselben ist jedes, aber auch jedes Mittel recht. 

Gespräche mit Moskau, Dialoge, Verhandlungen und Aufeinanderzugehen sind für Deutschland die Alternativen, und nicht immer neue, von Washington diktierte Sanktionen, denen sich Berlin katzbuckelnd fügt. Die Medien lancieren derzeit eine Anti-Putin-Kampagne nach der anderen. 

Vor Lügen und Fälschungen schreckt man nicht zurück. In wessen Interesse wohl? Das weltweit massenhaft veröffentlichte Bild, welches den an einem Tisch allein sitzenden Putin während des G 20- Gipfels zeigt, und somit seine „totale Isolation“ bezeugen soll, ist eine schlichte Fälschung. Er sprach mit der Außenministerin Brasiliens, die durch einen Kellner verdeckt wurde. Abgesehen davon war sein Tisch der mit am meisten frequentierte während des G-20-Treffs, wie andere Bilder und Berichte der Anwesenden dokumentieren. Wem mag nur eine derartige „Berichterstattung“ nützen? 

Ein paar ölige Krokodilstränen des Bedauerns vergießend, erklärte Obama öffentlich auf dem G-20- Treff: „Ja ja, mein lieber Putin, so geht’s einem, wenn man fremde Länder besetzt und dort Krieg führt“. Obama, der unendlich Gute, vergaß nur, zu erwähnen, dass die USA seit Kriegsende nicht nur e i n Land besetzten und dort Krieg führten, sondern derer 21 (in Worten: einundzwanzig). Ja ja, meine lieben 21 Länder, so geht’s einem, solange der größte Aggressor der Erde an der Macht bleibt und die Weltbevölkerung passiv und gleichgültig gähnend zuschaut. 

Wird die wirtschaftliche Vernunft im seit 70 Jahren immer noch besetzten Deutschland, einem Besatzerland also, und noch immer ohne Souveränität, am Ende obsiegen? 

Die Weltwirtschaft jedenfalls, mit ihren stark deflationären Tendenzen, läuft derzeit schlecht geschmiert. 

Die globale Konjunktur kriecht wie eine Nacktschnecke, und auch dies nur dank China. Die Börsenkolben laufen in den Zylindern der Finanzmotoren auf hauchdünnen Ölfilmen, welche drohen, abzureißen, was rasch zu einem Kolbenfresser führen könnte. 

Nur der Dollar läuft auf bestens geölten Gleitschienen, genau wie die krampfhaft Optimismus verstrahlende Zweckpropaganda der Medien. Die Anti-Putin-Kampagnen nicht zu vergessen. 

Und die Autofahrer sind vorerst guter Laune, die Heizölkonsumenten derzeit guter Dinge und die, von den Ölverbrauchern gesparten Mittel fließen entweder dem Sparkonto oder, konjunkturstützend, nützlichen Investitionen in Sachwerte zu. 

Alles hat eben auch sein Gutes. Nur Putin nicht - schenkt man den Propagandisten Glauben. 

© Prof. Dr. H.-J. Bocker
www.profbocker.ch
 

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