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Geologie & Exploration von Rohstoff-Lagerstätten (in the making)

Sicht auf den Zions Canyon vom Angels Landing Massiv aus stehend; zuvor unter dem Namen Temple of Aeolus bekannt - eine ca. 368 m hohe Gesteinsformation im Zion National Park in Utah, USA (Quelle)

 

"Ich denke, wir sollten den Kosmos nicht mit den Augen des Rationalisierungsfachmanns betrachten. Verschwenderische Fülle gehört seit jeher zum Wesen der Natur." Albert Einstein (1879-1955)


 

INHALTSVERZEICHNIS

Geologie

A. Vorwort 

B. Einführung

1. PLANET ERDE
2. ELEMENTE & MINERALE
3. EDELSTEINE
4. GESTEINSBILDENDE MINERALE
5. GESTEINE

Exploration 

6. EXPLORATION
7. ENTWICKLUNG & PRODUKTION
8. METALLE & ERZ-MINERALE: Entstehung, Vorkommen, Verwendung & Besonderheiten

C.   Appendix
C1. Übersicht: Ranking-Tabellen der 25 Metalle
C2. Übersicht: Elementare Häufigkeiten
C3. Übersicht: Elemente
C4. Übersicht: Periodensysteme

Lagerstätten

9.   ENTSTEHUNG VON LAGERSTÄTTEN
10. ARTEN VON LAGERSTÄTTEN

D    Appendix
D1. Übersicht: Satelliten-Bilder von der Erde
D2. Übersicht: Weltkarten
D3. Übersicht: Minerale & ihre Eigenschaften

 


 

A. VORWORT

"Ein Mensch ist Teil eines Ganzen, von uns Universum genannt - ein Teil. begrenzt in Zeit und Raum. Er erfährt sich, seine Gedanken und Gefühle als getrennt vom Rest der Welt - eine Art optische Wahnvorstellung des Bewusstseins. Diese Wahnvorstellung ist ein Gefängnis, das unsere persönlichen Wünsche und Zuneigungen auf einige wenige Personen, die uns am nächsten stehen, begrenzt. Unsere Aufgabe muss es sein, uns daraus zu befreien, indem wir den Kreis den Mit-Gefühls für andere erweitern, bis alle lebenden Wesen und die ganze Natur in ihrer Schönheit dazu-gehören. Niemand kann diese Aufgabe bis zum Ende erfüllen, aber gerade die Anstrengungen, dieses Ziel zu erreichen, sind ein Teil der Befreiung und ein Fundament für das innere Vertrauen." Albert Einstein (1879-1955) 

Die aktiven Minenunternehmen graben & schaufeln Rohstoffe aus der Erde, die alsdann von allen erdenklichen Industrien händeringend abgekauft werden, da unsere Gesellschaft von diesen Mineralen abhängig ist. 

Die Metalle aus dem Untergrund sind die Hauptbestandteile von unzähligen Dingen, welche wir alltäglich sehen und benutzen, wie z.B. Gebäude, Autos, Flugzeuge & Haushalts­geräte. Aber auch das Licht, welches uns beispielsweise bei Nacht die Sehkraft schenkt, basiert grösstenteils auf Elementen & Mineralen aus z.B. Uran, Öl, Gas & Kohle. Zusätzlich werden heutzutage noch immer bestimmte Metalle dazu verwendet, um als Währung zu dienen, da nur diese die Kaufkraft von Geld über die Zeit erhalten zu können scheinen. 

Viele unterentwickelte Länder exportieren Minerale in die Industrieländer & erhalten im Gegenzug (entsprechend dringend) benötigte Währungen, um sich (weiter)entwickeln zu können. Die Produktion von Rohstoffen war & ist beispielsweise auch der Schlüssel zum heutigen Wohlstand von Kanada. Der Sudbury Nickel-Distrikt, die Gold-Camps von Abitibi, die Eisenerz-Lagerstätten von Labrador & die reichhaltigen Erze von British Columbia sind nur ein paar wenige Beispiele der ergiebigen Vorkom­men an Bodenschätzen in Kanada. Heute gibt es mehr als 100 aktive kanadische Minen, sowohl Open-Pits (Tagebau) als auch unter Tage. Diese produzieren um die 5% des gesamten Bruttosozialprodukts des Landes & haben einen Anteil von etwa 15% an den Gesamt-Exporten.

Die USA sind ebenfalls reich an Bodenschätzen, allen voran der Bundesstaat Nevada - einer der heute aktivsten Minen-Gegenden der Welt. Nach mehr als einem Jahrhundert ist Idaho weiterhin eine weltklasse Gegend für Sil­ber. In Montana, Utah, Arizona & New Mexico operieren hochrentable Kupfer-Minen & in Missouri zum Beispiel existieren Lagerstätten reich an Zink & Blei. Nebraska & Wyoming produzieren bekannterweise Uran, während in Minnesota, Wisconsin & Michigan noch immer Eisen-Erze aus dem Boden geholt werden, welche schon die In­dustrielle Revolution angeheizt haben. Die Geschichte von Süd-Amerika & Australien wurde ebenfalls von Bodenschätzen geprägt, während viele asiatische & afrikanische Länder anscheinend die Zukunft der Rohstoff-Produktion in ihren Händen halten.

Cripple Creek Gold Camp, Colorado, USA, 1895 (Quelle):

Die Förderung von Mineralen ist so alt wie die Zivilisation selbst – und wie man­cher Geologe sagt: "so alt wie die Berge selber". Und mit jeder neuen Verwend­ungsmöglichkeit oder neuem Einsatzgebiet von wertvollen Mineralen, die in der heutigen silikonbasierten High-Tech-Ära entdeckt werden, so wird zunehmend offen­sichtlicher, dass uns die Förderung von Schätzen aus dem Boden wohl bis ans Ende der Menschheit begleiten werden dürfte – sofern nicht ein "Wunder" geschieht.

Investoren & die abertausenden von Angestellten in der Minen-Branche müssen nicht überaus viel über die Erde wissen - im Gegensatz zu Geologen oder insti­tutionellen Gross-Investoren in den Rohstoff-Märkten. Aber sie sollten wenigstens die Grundlagen von Geologie beherrschen & über ein Wissen der am häufigsten vorkommenden Gesteins- & Mineral-Arten verfügen. Zum Beispiel könnte ein In­vestor eines Tages davon profitieren, zu wissen, dass niedrig-temperierte Mineral-Vorkommen (wie z.B. die meisten Silber-Lagerstätten) sich stark in ihrer Reich­haltigkeit verändern, je tiefer man geht. Oder dass sog. Verwerfungen (faults) ein Chaos bei der Einschätzung von Erz-Reserven verursachen können & diese auch verwüsten & somit für einen späteren Minen-Betrieb unwirtschaftlich machen können – ganz gleich wie "sensationell hochgradig" diese auch sein mögen.

Geologie – die Wissenschaft der Erde – hat viele Zweige. Wir werden hier nur dieje­nigen kurz anreissen, die auch einen wichtigen Stellenwert bei der Entdeckung von abbaubaren Vorkommen (sog. Lagerstätten) haben. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass fortwährend nicht nur die deutschen Geologie-Begriffe erwähnt & erläutert werden, sondern z.T. gleichzeitig (in Klammern und/oder in kursiv) auch die englische Bezeichnungen mitgeteilt wird, da z.B. Pressemitteilungen & technische Reports von Minen-Unternehmen vornehmlich in englischer Sprache veröfentlicht werden & ein deutschsprachiger Investor somit beide Begriffe (wie­derer)kennen sollte.

Minerale sind die "Quellen" der Rohstoffe, die in unserer heutigen Welt so dringend benötigt werden bzw. unsere Gesellschaft erst dorthin gebracht haben, wo sie heute steht. Den rasanten technologischen Fortschritt der letzten paar wenige Jahr­hunderte verdanken wir im Grunde genommen dem menschlichen Verstand, min­eralische Vorkommen nicht nur wirtschaftlich abzubauen, sondern auch zu nutzen.

Daneben können Minerale allerdings auch auf einer ganz anderen Ebene begeis­tern & Mineral-Sammlungen sind seit ihrer Entdeckung ein beliebtes & vielfach erfüllendes Hobby für Millionen Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten in aller Welt. Es mag die Form, die Farbe und/oder ein möglicher "Zauber" des Glanzes sein, dass so viele Menschen von der Welt der edlen Steine so begeistert sind. Wie gewöhnlich erscheinen dagegen die Gesteine! Wer bückt sich schon nach einem Kalkstein, einem Gneis oder einem Granit? Und dennoch sind es die Geste­ine, welche die Gestalt der Berge prägen, die den Ausdruck vieler Städte mit ihren charakteristischen Formen & tpyischen Farben nachhaltig beeinflussen & den dau­erhaften Untergrund für Verkehrsstrassen liefern.

Wir können die Schönheit der Natur bewundern, ohne gleichzeitig die Bedeutung & Geschichte der Gesteine zu ken­nen - aber wie bewundern wir die Natur, wenn wir mehr von ihr wissen & sie näher kennengelernt haben!? Genauso wie die Minerale uns typischerweise das Schöne entgegenbringen, so zeigen die Gesteine uns zumindest das Gewaltige. Wer sie richtig zu lesen versteht, dem erzählen sie von den milliarden Jahren andauernden Veränderungen der Erde & seiner Erdkruste, auf der wir leben. Wie z.B. von Gebirgen der Vorzeit, von Meeres-Überflutungen & ausgedehnten Wüsten- & Eis-Zeiten, sowie über die Entstehung von mineralischen Lagerstätten, von der unsere heutige Zivilisation abhängig ist. Doch obwohl sich neue Lagerstätten fortwährend, über meist mehrere Millionen Jahre bilden und ablagern, so werden die weltweit noch vorhandenen Rohstoff-Lagerstätten immer weniger, während die Weltbevölkerung immer grösser wird. Mit anderen Worten: Sowohl der Abbau als auch das Wachstum ist begrenzt – es bleibt, auf eine natürliche Gleichgewichtskalibrierung zu hoffen.  


Hierüber: Satelliten-Aufnahme (Landsat7-Falschfarben) vom Delta des Lena-Fluss (Russland) - mit 4.472 km der 10. längste Fluss der Welt, der 7 km westlich vom Baikal See im Baikal Gebirge auf dem zentral-sibirischen Plateau beginnt (wo auch reichlich Gold gewaschen wurde) & alsdann in die Arktik (Leptev See) mündet - mittels einem etwa 100 km langen & 400 km breiten Delta, das für 7 Monate im Jahr gefrorene Tundra darstellt & die restliche Zeit als ausgedehnter Fluss- & Insel-Fäche unzähligen Pflanzen & Tieren als Heimat dient (da für Mensch nicht nutzbar). Quelle

 


 

B. EINFÜHRUNG

“Nichts ist für die Ewigkeit – ausser die Veränderung selber.”

Es ist nicht einfach, aus der beschränkten Perspektive eines Menschen(lebens) geologische Prozesse zu verstehen (zu ver­suchen). Vor “nur” 500 Menschen-Generationen entblössten die schmelzenden Gletscher der Eiszeit die aufblühenden Landschaften Zentral-Europas. 1.000-mal so lange ist es her, als hier in Deutschland Vulkane herrschten, die Lava & an Erzen reichhaltige Minerale & Gesteine ausspuckten, die in den letzten Jahrhunderten teils vollständig (an der Erdober­fläche) ausgebeutet wurden – trotz allem prägen sie die Land­schaft bis heute. Vor (theoretisch) 5 Millionen Generationen schlugen bis in die Böhmisch-Sächsische Schweiz gigantische Wellen an einsame Sandstrände & formten Sandstein-Felsen, wie sie noch heute in der Schweiz daran erinnern.

Menschen, Tiere & Pflanzen werden geboren – und sterben. Gebirge, Berge & Ste­ine hingegen scheinen seit jeher zu existieren & für die Ewigkeit gemacht – doch geologisch gesehen ist dem nicht so! 

Die Erde ist kein starrer oder statischer Körper, sondern das Resultat ständiger Verän­derungen, die seit Milliarden von Jahren – Tag ein, Tag aus – (vor)herrschen. Erdbe­ben, Vulkan-Ausbrüche oder Überschwemmungen sind Veränderungen & Kräfte, die wir Menschen an der Erdoberfläche wahrlich nur oberflächig mitbekommen. Tief im Inneren der Erde existieren allerdings Kräfte mit einer Dynamik, von denen wir nicht den Hauch einer Vorstellung haben (können). Alle Stoffe der Erde unterliegen ei­nem fortwährenden Kreislauf, der durch 2 Kräfte angetrieben wird: den Kräften von aussen (EXOGENE DYNAMIK) & den Kräften von innen (ENDOGENE DYNAMIK). 

Kontinental-Platten bewegen sich aufeinander zu – bis zu 10 cm pro Jahr. Dies ist beachtlich viel, v.a. wenn nach “nur” 1 Millionen Jahre bereits 100 km zurückgelegt wurden – diese enormen Entfernungen zwangen massive Platten nicht nur zum Abtauchen, sondern auch zur Aufwölbung von Gebirgsketten. Auf den Meeres­böden abgelagerte Gesteinstrümmer & Schutt ehemaliger Gebirge wurde wieder zu neuen Gebirgen angehoben & “aufgefaltet”. Glutflüssiges Magma konnte zudem neue Gesteins-Massive entstehen lassen – schlagartig nach Erreichen der Erdoberfläche, nach mehreren Tausend Kilometer “Reise” durch das Erdinnere, er­starren sie allmählich zu massiven Gebirgsstöcken. 

Die enormen Spannungen in den Kontinental-Platten lassen fortwährend kleine Spalten & Bruchzonen weiter aufreissen, so dass neues, frisches Magma aus der Tiefe nach oben steigen kann. Und es ist genau dieses Magma, dass so reichlich mit den Substanzen angereichert ist, die wir heute so dringend für unseren Alltag benötigen: Rohstoffe. Wenn sie irgendwo hören, dass sich die Rohstoffe in den nächsten Jahren oder Jahrtausenden dem Ende neigen sollen, dann quittieren sie diese Aussage mit einem Lächeln & Worten wie: Bevor sich die Rohstoffe dem Ende neigen, werden sich viel eher die Menschen ihrem Ende geneigt haben! Rohst­offe werden im Magma geboren – und vom Magma gibt es in tief in der Erde noch genug für die nächsten Millionen von Menschen-Generationen, welches sich fortwährend seinen Weg nach oben bahnt. Demnach ist es fraglich, wer hier am längeren Hebel sitzt - die Natur & wir Menschen. Die geologischen Prozesse setzen sich auch künftig fort – wir erleben davon allerdings weniger als einen Wimper­nschlag des Erden”lebens”. In sehr langen Zeiträumen denken zu können ist die erste Voraussetzung, geologische Zusammenhänge zu verstehen (zu versuchen). 

Die Erde ist tatsächlich “sehr” alt – die ältesten Steine, die gefunden wurden, sind um die 4 Milliarden Jahre alt. Geologische Prozesse verlaufen sehr langsam – ein mehrere tausend Meter hoher Berg „wächst“ jährlich nur um ein paar wenige Zenti­meter. Erosion kann einen Berg um die gleiche (langsame) Geschwindigkeit wieder „schrumpfen“ lassen. In vielen Regionen der Welt gab es mehrere solcher Zyklen von „Wachstum“ & „Schrumpfung“. Perioden der Gebirgsbildung („Wachstum“) werden fachmännisch als Orogenese (orogeny / orogenesis) bezeichnet. Die Ostküste der USA bspw. durchlief mindestens 3 vernehmliche Perioden der Gebirgsbildung, wobei jede dieser mit der Öffnung & Schliessung des Atlantiks korrespondierte. Die letzte antlantische Öffnung begann vor 200 Mio. Jahren – und ist noch immer aktiv. 

Wie am Schaubild erkennbar, umfasst diese “geologische Uhr” die gesamte Erdgeschichte auf einem Zifferblatt. Die Prozentzahlen zeigen den Anteil an der Erdgeschichte. 

Wenn Planet Erde also 5 Mrd. Jahre alt ist – um 12 Uhr mittags geboren wurde & es aktuell 24 Uhr ist, dann enstanden kurz nach 18 Uhr die ersten Algen & wirbellose “Tiere”. Um kurz nach 22 Uhr erschienen die ersten Pflanzen & Tiere auf dem Land – und vor fast genau 15 Minuten, also um 23:45 Uhr ist der “erste” Mensch geboren. 

Ein nach Rohstoffe Explorierender muss die physikalischen & chemischen Prozesse verstehen, welche die Erde dazu veranlassen, Minerale zu bilden/produzieren. So ermöglicht beispielsweise das Wissen & Verständnis von Plat­tentektonik dem Geologen, Regionen identifizieren zu können, wo es Erdplat­ten-Kollisionen gegeben hat & dort seismische sowie geologische Aktivitäten gab, die ggf. reichhaltige Erzkörper entstanden haben lassen.

MINERALE & KRISTALLE 

Das Wort Mineral kommt von lateinisch “minare” für “Bergabu treiben” & bezeich­net zunächst die bergmännisch gewonnenen Minerale & Gesteine. Heute versteht man unter den Mineralen die natürlich vorkommenden & einheitlich zusammeng­esetzten Bestandteile der festen Erdkruste. Gesteine sind dagegen Gemenge von Mineralen. Meist beteiligen sich mehrere Mineral-Arten an der Bildung eines Ges­teins. Nur wenige Gesteinstypen sind monomineralisch, d.h. nur aus einer einzigen Mineralart zusammengesetzt (z.B. der nur aus Calcit-Körnern bestehende Marmor). 

Der Name Kristall rührt vom wasserhellen Bergkristall her, den die Griechen “krys­tallos” nannten (und “Eis” bedeutet), da man noch bis zum frühen Mittelalter glaubte, die Bergkristalle wären nichts anderes als Eis, das durch die Kälte auf hohen Bergen so stark gefroren sei, dass es nicht mehr aufgetaut werden könne. Als Kristalle wurden dann allgemeiner die natürlich vorkommenden, von ebenen Flächen & geraden Kanten begrenzten Minerale bezeichnet. Jedoch können auch künstlich hergestellte Produkte (z.B. Metalle oder Salze) in gleicher Weise eben­flächig kristallisieren. 

Die Kristall-Gestalt ist Ausdruck eines besonderen, geordneten Zustandes der Materie: diese Stoffe besitzen einen gittermäßigen Feinbau, der sich nicht nur in der Fähigkeit äussert, Kristall-Gestalten zu entwickeln, sondern er bewirkt auch, dass viele physikalische Eigenschaften in solchen Körpern jeweils von der Rich­tung abhängen, in der sie gemessen werden. Dadurch besitzen die Kristalle als die besondere Zustandsform der festen Materie eine Sonderstellung gegenüber den Gasen & Flüssigkeiten. In vielen Fällen bleibt jedoch die Fähigkeit eines Stoffes, sich gesetzmäßig mit Kristallflächen zu umgeben, sogar verborgen; die äussere Umgren­zung ist willkürlich & zufällig, weil ein freies Wachstum nicht möglich war. Als Kristall bezeichnet man heute (im Sprachgebrauch jedoch noch immer nicht einheitlich) solche kristallinen Substanzen, die wenigstens teilweise ihre eigene Kristall-Gestalt ausbilden konnten. Neben den kristallinen stehen die amorphen (gestaltlosen) Kör­per. Unter den Mineralen gibt es nur wenige amorphe Vertreter (z.B. Opal, Bernstein, Hyalit). Amorphe Minerale sind niemals von ebenen Flächen begrenzt, sie sind auch nie körnig oder faserig aufgebaut, vielmehr besitzen sie gerundete Oberflächen (die wie getropft aussehen). Im Laufe der Zeit können amorphe Minerale kristallin werden (so kann etwa durch innere Umwandlung Opal in Chalcedon übergehen). 

Die kristallographischen Symmetrie-Gesetze, die schon beim Anblick eines flächen­reichen, gut ausgebildeten Kristalls unbewusst empfunden werden, stellen die Minerale in einen deutlichen Gegensatz zu den Organismen. Ein weiterer, wesentli­cher Unterschied zwischen den Mineralen & der Welt des Lebendigen ist die Grösse der Individuen. Mit dem Namen von Tieren oder Pflanzen sind feste Grössen-Vorstellungen verknüpft. Bei den Mineralen ist deren mögliche Grösse im Grunde genommen so gut wie unbegrenzt, da sie nur davon abhängt, ob die Bildungs­bedingungen lange genug andauerten, ob die Substanz-Zufuhr vom wachsenden Kristall nicht unterbrochen wurde & ob der Bildungsraum gross genug war. So gibt es Kristalle derselben Mineral-Art, die nur Bruchteile eines Millimeters gross sind, und andere, die ein Gewicht von über 100 t auf die Waage bringen. 

Die Zahl der Minerale ist überraschend klein. Man kennt heute wohl ein wenig mehr als 3.800 Minerale – zwar kommen jedes Jahr einige neue Mineral-Arten & -Modifi­kationen hinzu, dafür müssen andere als selbständige Arten u.U. wieder gestrichen werden, weil sie sich als Gemenge oder sehr feine Verwachsungen anderer Minerale erwiesen haben. Somit erhöht sich die Zahl der bekannten Mineral-Arten doch nur noch langsam. Verglichen etwa mit der Zahl der chemischen Verbindungen, von denen die organische Chemie allein schon annähernd eine halbe Million Kohlen­stoff-Verbindungen kennt, ist die Zahl der als natürliche Elemente-Kombination in der Natur gebildeten Mineralen geradezu erstaunlich gering. Auch im vergleich zu den Arten-Vielfalten & –Quantitäten, denen der Botaniker oder Zoologe begegnet, ist die Zahl der Mineral-Arten recht bescheiden. Allein die Zahl der bekannten Blüt­enpflanzen oder Insekten übertrifft die Zahl der Mineral-Arten um ein Vielfaches. 

Der Begriff Mineral-Art ist aus dem Reich des Organischen entlehnt, wo man als “Art” die kleinste Untergruppe bezeichnet, die sich untereinander fortpflanzen kann. Da ein solches Merkmal bei den Mineralen aber fehlt, ist die Abgrenzung der Mineral-Arten (insb. innerhalb der verbreiteten Mischkristallreihen) vielfach recht willkürlich. Ebenfalls in Anlehnung an den Sprachgebrauch in der Biologie bezeich­net man den einzelnen Kristall als Individuum. 

Noch erstaunlicher als die verhältnismäßig geringe Anzahl der Mineral-Arten ist deren ganz unterschiedlicher Anteil am Aufbau der uns zugänglichen festen Erd­kruste. Sie wird zu mehr als der Hälfte von Feldspäten gebildet. Dann folgen als nächst häufige Minerale in einigem Abstand die Pyroxene & Amphibole mit ihren wichtigsten Vertretern Augit & Hornblende; danach kommen Quarz & Glimmer (v.a. dunkler Biotit & heller Muskovit). Diese wenigen Mineral-Gruppen machen zusammen schon weit über 90% aus. 

Den geradezu bescheidenen Rest teilen sich Olivine & die in magmatischen Ges­teinen weitverbreiteten Spurenminerale (wie Magnetit, Apatit, Zirkon, Ilmenit & Rutil). Dazu kommen noch die in metamorphen Gesteinen wichtigen Minerale (wie Chlorit, Serpentin & Granat) & die in den Sedimenten weitverbreiteten Ton-Minerale & einige Karbonate (insb. Calcit & Dolomit). Zu den häufigsten Mineralen gehören schliesslich noch Hämatit, Pyrit, Limont, die Feldspat-Vertreter, Titanit, Chromit, Korund, Turmalin, die Spinelle, Chalkopyrit & Pyrrhotin. 

Aus diesen wenigen hier aufgezählten Mineral-Arten besteht unsere feste Erdk­ruste zu mehr als 99%. Alle restlichen Mineral-Arten, wie etwa die so prächtig kristallisierten Erz-Minerale, die eine Zierde jeder Sammlung bilden, oder die be­gehrten Edelsteine, sind also an der Zusammensetzung der Erdkruste mengen­mässig völlig untergeordnet beteiligt. 

Überraschenderweise ist das häufigste Element der festen Erdkruste der Sauerstoff, der fast die Hälfte von dessen Gewicht ausmacht. Mehr als 25% entfällt allein auf Silizium. Danach folgen Aluminium, Eisen, Calcium, Natrium, Kalium, Magnesium & Titan. Diese 9 Elemente bauen im Grunde genommen die Erdkruste auf, da für alle übrigen chemischen Elemente zusammen nur knapp 1% des Gewichts verbleibt. 

Da die Erdkruste grösstenteils aus magmatischen & ähnlichen, hochmetamor­phen Gesteinen aufgebaut wird, ist der überragende Anteil gerade der magma­tischen Mineral-Arten an der Zusammensetzung der festen Erdrinde verständlich. 

Nach dieser Element-Häufigkeit ist es einleuchtend, dass Silikate & Quarz die weit­verbreitesten Minerale sind. Trotzdem spiegelt sich die Häufigkeit der Elemente keineswegs in der Zahl der Minerale wider, an deren Zusammensetzung sie maßge­bend beteiligt sind. So gibt es Elemente, die noch verhältnismäßig häufig sind, von denen jedoch kein eigenes Mineral bekannt ist, wie z.B. Rubidium, das schon an 17. Stelle der häufigsten Elemente steht, aber nur in dem seltenen Pegmatit-Mineral Rhodizit in etwas grösserer Menge vorkommt.

Auch das Hafnium, das weit häufiger ist als etwa Antimon oder Bismut, bildet kein selbständiges Mineral. Andererseits gibt es von Silber, das mit nur 0,00001% Gewichtsanteil so gut wie am Ende aller Elemente steht, eine stattliche Anzahl selbständiger Mineral-Arten. Ein Beispiel dafür, dass ein verhältnismäßig seltenes Element wie das Blei doch ein weitverbreitetes bilden kann, bietet auch Galenit – denn Blei ist nur mit einem Gewichtsanteil von 0,003% in der Erdkruste vorhanden. 

Diese eigenwillige Verhalten der verschiedenen Elemente & ihre unterschiedli­che Fähigkeit, selbständige Minerale zu bilden, liegen in ihren geochemischen Eigenschaften begründet. Manche Elemente treten fast regelmäßig mit anderen zusammen, gewissermassen als deren “Verunreinigungen”, auf. So enthalten die in magmatischen Gesteinen weitverbreiteten Zirkone meist etwas Hafnium & (radioaktives) Thorium. Derartige Elemente stecken also “getarnt” in anderen Mineralen & wurden deshalb vielfach lange übersehen. Andererseits gibt es sel­tene Elemente, die aus kristallchemischen Gründen dennoch an einer überra­schend grossen Anzahl eigener Mineral-Arten beteiligt sind. So steht bspw. die Vielfalt der Spießglanz- bzw. Antimonium-Erze in keinem Verhältnis zu dem gerin­gen Anteil, den die darin enthaltenen Elemente am Aufbau der Erdkruste besitzen. 

Bild: Quelle
In dem bunten Durcheinander der Mineral-Namen spiegelt sich die Geschichte der Mineralogie wider. Manche Namen sind aus der Antike oder aus dem Orient auf uns zugekommen, andere entstammen der mittelalterlichen deutschen Bergmannssprache, wie z.B. Kiese, Glanze & Blenden, Fahle- & Gültigerze, Spate oder Glimmer. 

Andere Bezeichnungen sind durch Aberglaube & Mythologie bedingt oder weisen auf Herkunftsländer & Fundorte hin. Chemische Zusammensetzung, Aussehen oder besondere Eigenschaften haben ebenfalls zu Namen angeregt, während wieder andere Minerale nach ihrem Entdecker oder nach bekannten Mineralogen oder sonstigen Persönlichkeiten benannt (oder auch menschlicher Eitelkeit).

Viele Minerale tragen 2 oder mehr Namen – und häufig sind neben deutschen Bezeichnungen noch andere vorhanden, die im ausländischen Schrifttum gebräuchlich sind. Die meisten Mineralnamen enden auf –it oder –lith (aus aus dem griechischen Wort “lithos” für “Stein” abgeleitet). Im Englischen wird hier meistens noch ein “e” angehängt (z.B. aus dem deutschen Pyrit wird ein englisches Pyrite). Auf den folgenden wenigen Seiten über Mineralogie, Kristallographie, Geologie & Exploration verwenden wir nicht die altdeutschen Bezeichnungen (wie z.B. Magnetkies), sondern diejenigen in deutsch, die auch international (v.a. im Englischen) gebräuchlich sind – so dass wir z.B. den deutschen Namen Pyrrhotin für Magnetkies bevorzugend verwenden, da dieser (mittlerweile) nicht nur gebräuchlicher ist, sondern auch sofort auffällt, wenn er im englischen als Pyrrhotit verwendet wurde).  

Abkürzungsverzeichnis

% = Prozent, °C = Temperaturgrad in Celsius, > = über; mehr als, < = unter; weniger als, Abk. = Abkürzung, Adj. = Adjektiv, altgriech. = altgriechisch, at = Druck in …, ATM = Druck in…, bspw. = beispielsweise, bzw. = beziehungsweise, ca. = cirka, cm = Zentimeter (1000 mm), ct = Karat („carat“), dt. = deutsch, FO = Fundort, franz. = fränzösisch, g = Gramm (1000 mg), ggf. = gegebenenfalls, g/t = Gramm pro Tonne (metrisch), griech. = griechisch, h = Stunde, i.H.v. = in Höhe von, km = Kilometer (1000 m), kg = Kilogramm (1000 g), lat. = lateinisch, LS = Lagerstätte, m = Meter (1.000 cm), mg = Milligramm, Mio. = Millionen, mind. = mindestens, Mrd. = Milliarden, mm = Millimeter, n. Chr. = nach Christus, o.g. = oben genannte, p.A. = per Annum (pro Jahr), PGM = Platingruppenmetalle, ppm = „parts per million“; Teile pro 1 Millionen, ppb = „parts per billion“; Teile pro 1 Milliarde, Pl. = Plural, t = Tonne (metrisch; 1000 kg), i.A. = im Allgemeinen, Infos = Informationen, insb. = insbesondere, i.d.R. = in der Regel, i.S.v. = im Sinne von, i.e.S. = im engeren Sinne, i.w.S. = im weiteren Sinne, s. = siehe, sog. = sogenannte, spez. = spezifisch, Subst. = Substantiv, u.a. = unter anderem, u.U. = unter Umständen, ü.N. = über Null, U/t = Unzen pro Tonne, uvm. = und vieles mehr, v.a. = vor allem, var. = variabel, v. Chr. = vor Christus, versch. = verschiedene, z.B. = zum Beispiel, z.T. = zum Teil, zw. = zwischen, z.Z. = zur Zeit

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