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Ferdinand Lips: Geboren 1931, war Mitbegründer und langjähriger Direktor der Rothschild Bank in Zürich. 1989 gründete er seine eigene Bank. Kein zweiter kennt die internationalen Finanz- und Währungsmärkte, die makroökonomischen Zusammenhänge und Interdependenzen, aber vor allem den Goldmarkt, besser als er. Stephan Bogner stellte Anfang Mai 2005 folgende Fragen:

Ihr Buch „Die Gold-Verschwörung“, welches die Investmentlegende Harry Schultz bereits als „Klassiker“ umschrieb, wurde innerhalb der deutschsprachigen Goldinvestmentszene mit Beifall aufgenommen. Wir gehen davon aus, dass ihr zeitloses Werk in den kommenden Jahren einen Boom erleben wird und Sie bereits durch Ihre langjährige Arbeit ein zeitlos strahlendes Licht auf den undurchsichtigen Goldmarkt geworfen haben, woraus sich die Ereignisse der Geschichte wie ein Mosaik zu einem „großen Bild“ zusammentun und einen Sinn ergeben. Wie war die hiesige Resonanz auf Ihr Buch im Vergleich zu den USA? Wieviele Exemplare konnten bis dato abgesetzt werden?

F.Lips: Das Buch ist jetzt in der 4. Auflage und es sind schon nahezu 20,000 Bücher verkauft worden. Das amerikanische Buch „Gold Wars“ lief auch gut, aber ich hatte den Nachteil, dass ich keinen Verleger hatte, sondern eine Organisation mit dem Namen FAME (Foundation for the Advancement of Monetary Education) in New York (www.FAME.com), die das Buch herausgab. Das Buch kam leider nie in den Ladenverkauf. Aber ich habe die grosse Freude, dass im September dieses Jahres mein Werk auch in japanischer und französischer Sprache auf den Markt kommen wird.

Wenn ein Freund Sie fragen würde, wie hoch er den Anteil physisches Silber im Vergleich zu Gold gewichten sollte, was würden Sie ihm langfristig raten?

F.Lips: Schwierig zu beantworten. Aber es kommt auf die individuelle finanzielle Situation des Einzelnen an. Silber bietet indessen grössere Kapitalgewinn-Chancen als Gold.

Welches Verhältnis der physischen Anlage zu Minenaktien würden Sie einem Freund empfehlen, der auch in Minen investieren möchte?

F.Lips: Dies würde ich gleich beantworten, wie die vorhergehende Frage. Für den vor allem Kapitalgewinn suchenden Investor sind Minenaktien das bei weitem interessantere Vehikel, insbesondere Aktien von Gesellschaften, die sich auf die Exploration konzentrieren.

Ihr Investmentfonds TOP-GOLD-Invest (www.topgoldinvest.com) genießt in der Investmentszene einen ausgesprochen guten Ruf. In welche Gold-Anlageformen wird investiert?

F.Lips: Gold- und Silberaktien, die kein Hedging eingehen, über eine starke Reservebasis verfügen und ein gutes Management haben. Dabei konzentrieren wir uns auf erfolgreiche Explorationsgesellschaften. Ferner enthält das Portefeuille physisches Gold und Silber. Eine der Goldminen hat auch einen hohen Urananteil.

Was halten Sie von „derivativem Banken-Papiergold“ wie Zertifikate, Optionsscheine? Kann man diese Form der Anlage heutzutage einem Freund noch gewissenhaft empfehlen?

F.Lips: Wie es der Name schon sagt; es ist „PAPIER“. Diese Instrumente sind spekulativ. Ich kann sie als Anlage beim besten Willen nicht empfehlen. Darüber hinaus ist der Erwerb von Zertifikaten bei der Emission oft mit einem grossen Aufgeld verbunden.

Was denken Sie über die „tickende Zeitbombe Derivatmarkt“, dessen Positionen bereits exponentiell anwachsen? Langfristig eher Risiko oder Chance für den Goldmarkt?

F.Lips: Beides – am Schluss aber eine Chance. Diejenigen Anleger, welche in „Papiergold“ investiert haben, werden ihr Geld mit grosser Wahrscheinlichkeit verlieren, wenn die Bombe detoniert. Es ist durchaus möglich, dass auch der Goldpreis kurzfristig einen Taucher macht, weil in der Panik „ALLES“ verkauft wird. Dieses Phänomen konnte auch am Schwarzen Montag 1987 beobachtet werden. Allerdings hat sich der Goldpreis danach sofort viel stärker erholt als der Aktienmarkt. Beim LTCM-Debakel dagegen hat der Goldpreis sofort einen grossen Sprung nach oben gemacht. Ich bin überzeugt, dass es diesmal ganz anders ablaufen wird. Ich glaube, dass Gold bereits im Vorfeld eines grossen Finanzkollapses graduell steigen wird und danach richtig explodiert. Ich begründe meine Auffassung damit, dass wir heute in einer Zeit leben, wo dem breiten Publikum langsam ein Licht aufgeht. Das Vertrauen in unser Papiergeldsystem schwindet fast täglich. Gold ist die einzige Währung, an die keine Schulden gebunden sind. Ich wünsche mir, dass wir alle eines Tages mit einem neuen, gesunden Währungssystem leben werden, in welchem Gold wieder als solides Fundament verankert ist.

Für wie wahrscheinlich halten Sie eine Bankenkrise (eventuell mit „Dominoeffekt“?) aufgrund des Derivatmarktes? Wann und wie schnell könnte eine kommen? Hätte ein sich regelmäßig informierender BankPapiergold-Anleger genügend Zeit, um sich noch rechtzeitig von derivativem Papier zu trennen oder könnte ein „Wert“-Verfall dieser Anlagen „über Nacht“ kommen? Warum ist es sicherer, in solchen Zeiten eher Minenaktien zu halten?

F.Lips: Eine Bankenkrise und ein eventueller Dominoeffekt sind so sicher wie das Amen in der Kirche. Wie lange die Zeitbombe noch tickt, weiss leider niemand. Eine solche Krise kann durchaus „über Nacht“ kommen, und die Investoren werden dann keine Zeit mehr haben, sich rechtzeitig von ihren Aktien und von Papiergold zu trennen. Ich rate den Anlegern, sich rechtzeitig im Gold zu positionieren. Ein Bauer sät auch im Frühjahr, um im Herbst zu ernten!

Das „Office of the Comptroller of the Currency“ (O.C.C.), eine Abteilung des U.S.- Finanzministerium, gab die gesamten Derivatpositionen U.S.-amerikanischer Geschäftsbanken Ende 2004 mit 220 Billionen Dollar an (ver-20-fachung in 13 Jahren), wobei 86% dieser Positionen Zinskontrakte darstellen. Wie beurteilen Sie diesen dominierenden Anteil der Zinskontrakte? In wie weit denken Sie, dass das FED durch diese Positionen in ihrer Handlungsmacht in Bezug auf Zinsentscheide beeinflusst wird? Konkretisieren Sie bitte kurz die von den Derivatpositionen ausgehende Gefahr für den globalisierten Finanzmarkt.

F.Lips: Die Konzentration in den Zinskontrakten hat viele Gründe, auf die ich hier nicht alle eingehen kann. Ich möchte aber hervorheben, dass durch die lockere Geldpolitik der amerikanischen Zentralbanken die Zinsen für lange Zeit „künstlich“ tief gehalten wurden, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Dadurch ist sehr viel Geld von den HedgeFonds und den Banken in diesen Sektor geflossen, weil fette Profite fast „risikofrei“ eingefahren werden konnten („Greenspan put“), und die Future-Kontrakte einen enormen Hebel aufweisen bzw. die Margen sehr gering sind. Ein Anleger braucht gerade mal $ 1500 um einen Future-Kontrakt des 10-jährigen U.S. Treasury bonds von $ 100´000 zu erwerben. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die grossen Investment Banken wie Goldman Sachs ihre Gewinne vor allem dadurch stark steigern konnten. Die Zentralbank ist sich der enormen Gefahr, die von diesem gigantischen Ballon ausgeht, sehr wohl bewusst. Alan Greenspan hat ja vor einigen Monaten in seiner Rede vor dem Senatsausschuss darauf hingewiesen. Der Markt hat sich in ein gigantisches Casino verwandelt, in welchem sich Zentralbanken, Hedge-Fonds und Spekulanten aus der ganzen Welt tummeln. Der schwache U.S. Dollar hat die Profite der ausländischen Teilnehmer zum grossen Teil vernichtet und es bestand die Gefahr einer Dollar-Verkaufspanik mit stark steigenden Zinsen als Folge. Greenspan hat versucht, den Fall zu bremsen und die Zinsen in den letzten sechs Monaten graduell angehoben. Ich glaube aber, dass er die Zinsen noch viel stärker anheben müsste, um die Dollarschwäche nachhaltig zu bremsen. Dabei bestünde aber die Gefahr, dass er den Motor der Wirtschaft wieder abwürgt. Die derzeitige Erholung der U.S. Valuta erachte ich als eine temporäre Rally im langfristigen Abwärtstrend. Das Vertrauen in den Greenback schwindet unaufhörlich. Der U.S. Dollar geht langsam aber sicher seinem inneren Wert entgegen – nämlich NULL!

JP Morgan Chase hält Derivatpositionen, die sieben Mal so groß wie deren Geschäftsvermögen sind. Die Erlöse aus diesen Positionen machten im letzten Quartal aber nur 3,9% der Gesamt-Brutto-Erlöse der ganzen Gesellschaft aus. Warum denken Sie werden solch große und somit riskanten Positionen eingegangen, obwohl die Erlöse aus diesem Geschäft vernachlässigbar wären und kein Kerngeschäftsfeld in Hinsicht auf Profit darstellen?

F.Lips: JP Morgan Chase ist das Paradebeispiel dieser Industrie und einer der grössten Player im Markt. Die Gesellschaft hat unter anderem auch Barrick Gold beim Aufbau ihrer Derivatpositionen (Hedge Book) beraten. Es sind Gerüchte im Markt, dass die U.S. Zentralbank einen Teil ihrer Derivatpositionen im Gold übernommen hat, weil die Situation so desolat ist, und dass der Zusammenschluss zwischen JP Morgan und der Chase Manhattan Bank über Nacht ebenfalls aufgrund der Schieflage in den Derivatpositionen beschlossen wurde. Offiziell wurde nichts bekannt. Wo Rauch ist, ist aber meistens auch Feuer. Ich erachte JP Morgan als die Enron der Bankenbranche. Die Gier an der Wall Street ist eben gross.

Denken Sie, dass Gold in den kommenden Jahren wieder eine offizielle monetäre Bedeutung erlangen wird? Wie steht es mit Silber?

F.Lips: Es wäre zu wünschen, denn es ist der einzige Ausweg aus dem gegenwärtigen Währungschaos, das ich schon immer als Nicht-System bezeichnet habe. Ich habe noch erlebt, wie Silbermünzen friedlich neben dem Papiergeld zirkulierten. Ich sehe höchst entfernte Möglichkeiten für eine Währungsreform, da es Niemanden mehr gibt, der weiss wie das geht. Ich kenne keine einzige Universität, wo Währungslehre gelehrt wird.

Der IWF gab jüngst bekannt, dass kein Gold verkauft wird. Die USA halten bekannterweise das meiste Gold weltweit und haben in den letzten Jahren, im Gegensatz zu anderen Zentralbanken, kein Gold verkauft. Was halten Sie von der Annahme, dass die USA bewusst kein Gold verkaufen, andere aber dazu auffordern, um „am Schluss“ mit dem meisten Gold dazustehen – damit im Falle der Remonetisierung bzw. Kopplung der Währungen an Gold der „Empire-Status“ der USA nicht verloren wird? Ist es denkbar, dass die USA ihre horrende Auslandsverschuldung mit einem bewusst kollabierenden Dollar inflationieren, um diese – nach Einführung eines Goldstandards und einem stark gestiegenen Goldpreis – begleichen zu können? Wie sehen Ihre Szenarien aus?

F.Lips: Ich habe keine Ahnung, wie es um die Goldreserven der USA steht. Seit Eisenhower wurde nie mehr ein Audit/ Wirtschaftsprüfung gemacht. Bezüglich dieser Reserven besteht deshalb eine grosse Unsicherheit. Was die riesige interne und externe Verschuldung anbetrifft, so scheint die offizielle Politik im Moment eher darin zu bestehen, die Schulden weg zu inflationieren.

Halten Sie nach einem Währungskollaps aller Länder eine Art Goldstandard oder Kopplung der Leitwährung(en) an einen Indexkorb oder gar einen neuartigen Versuch, Fiat-Money im System zu verankern (z.B. Euro-Dollar) generell für möglich? Was würden Sie empfehlen?

F.Lips: Ich empfahl schon immer die Rückkehr zum reinen Gold-Standard. 

Was sagen Sie zu folgender Behauptung: Gold und Silber werden nach der nächsten weltweiten Währungsreform weiterhin keine Rolle spielen, weil ein völlig neues elektronisches Geldsystem installiert wird, das noch nicht einmal Papier benötigt.

F.Lips: Es kann ohne Gold keine wirkliche Währungsreform geben. Silber könnte auch eine Rolle spielen.

Wie beurteilen Sie den gegenwärtigen Stand der Goldverschwörung? Ist die Schweiz schon goldfrei?

F.Lips: Die Schweiz hat 1,300 Tonnen verkauft und die Verkäufe vor kurzem eingestellt. Sie hat immer noch beinahe 1.300 Tonnen Gold. Seit das Buch „Not Free, Not Fair: The LongTerm Manipulation of the Gold Price” Von John Embry und Andrew Hepburn von der Firma Sprott Asset Management, Toronto, im August 2004 erschienen ist, hat die Manipulation eher noch zugenommen. In den letzten Wochen hat sogar die Europäische Zentralbank 47 Tonnen verkauft. Eines Tages wird den Herrschaften jedoch die Munition ausgehen und der Goldpreis wird dann nach oben schiessen. Im übrigen ist ja auch die Minenproduktion rückläufig und wird es auf absehbare Zeit auch bleiben, weil in den letzten Jahren kaum mehr Exploration betrieben wurde.

Wie beurteilen Sie die Arbeit der GATA?

F.Lips: Die GATA vollbringt eine hervorragende Arbeit, indem sie das Investmentpublikum tagtäglich über die Manipulation aller Märkte, aber insbesondere des Gold- und Silbermarktes, informiert. Aber es gibt auch viele andere interessante Artikel und Meldungen. Über den Goldmarkt zu informieren, wäre eigentlich die Aufgabe des World Gold Council. Aber dieser versagt vollständig. Man munkelt seit langem, dass die Politik des WGC von Barrick, dem grössten Geldgeber dieser Organisation, bestimmt wird. Eigentlich sollte die GATA institutionalisiert werden und die Arbeit des World Gold Council’s übernehmen. Der World Gold Council ist meiner Meinung nach wertlos und arbeitet sogar gegen die Interessen der Goldminenindustrie.

Am 15. April letzten Jahres zog sich die Rothschild Bank vom Londoner Goldfixing zurück. Kam das für Sie überraschend? Wie beurteilen Sie diesen Schritt, was könnten die Beweggründe gewesen sein? Werten Sie den Schritt der Rothschild Bank eher positiv oder negativ für den Goldpreis?

F.Lips: Ich arbeite nicht mehr bei Rothschild und bin kein Insider mehr. Ich vermute, dass das Geschäft nicht mehr interessant genug war, dagegen aber viel zu risikoreich geworden ist. Ich vermute auch, dass Rothschild nichts mit diesem Manipulationsskandal zu tun haben. Denn das ist ein Riesenskandal und wenn diese Hintergründe einmal an die Öffentlichkeit kommen, dann wird es Tote geben.

Wie stehen Sie zum Thema der potenziellen Remonetisierung von Silber in Mexiko? Wäre diese überhaupt durchführbar, im Hinblick auf die weltweit sehr niedrigen Lagerbestände?

F.Lips: Der Silber Peso ist eine sehr gute Idee. Der Mann, der sie vertritt, ist ein sehr reicher Mexikaner namens Hugo Salinas Price, der, wie ich, für gesunde Währungsverhältnisse plädiert. Das Ganze wurde jedoch von den Banken abgeblockt.

Sie verfügen über langjährige Erfahrung in Hinsicht auf den Bergbau in Afrika und beraten heutzutage verschiedene afrikanische und kanadische Minengesellschaften via Aufsichtsrat-Positionen sowie Beraterfunktionen. Die südafrikanische Zentralbank hat jüngst die Leitzinsen gesenkt. Denken Sie, dass die Zeit nun reif ist, in afrikanische Minen zu investieren? Wie sehen Sie die Entwicklungen der afrikanischen Minenindustrie?

F.Lips: Ich bin momentan im Aufsichtsrat von Aflease Gold and Uranium Resources Limited, Johannesburg. Um auf Ihre Frage zu kommen: Wir haben immer erwartet, dass der Rand mittelfristig etwas schwächer werden sollte. Aber dies ist sehr schwierig, weil das Ausland sehr stark in Südafrika investiert. Die englische Barclays Bank ist gerade im Begriff, die südafrikanische Bank ABSA für $10 Milliarden zu kaufen. So kann der Rand nicht wirklich schwach werden. Die Minenaktien sind selbstverständlich sehr unterbewertet, aber was sie vor allem brauchen, ist ein höherer Goldpreis. Dann sieht die Sache auch wieder anders aus. Dann kann der Rand ohne weiteres noch stärker werden. Der ausländische Investor profitiert dann in doppelter Hinsicht, nämlich von der stärkeren Währung und von höheren Aktienkursen. Ich könnte mir vorstellen, dass die Kurse dann buchstäblich explodieren. Trotzdem muss man natürlich selektiv sein und wissen was man kauft.

Der Kurs von Durban Deep bzw. DRD Gold crashte in den letzten Woche dramatisch. Denken Sie, dass man nun, wo „Blut auf den Strassen bzw. in den Schächten von Durban fliesst“ antizyklisch investieren sollte? Wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz ein? Auch wenn Durban Deep „überleben“ sollte, würden Sie in ein Unternehmen investieren, das 3000 Meter tief nach Gold sucht?

F.Lips: Durban Deep hat enorme Probleme, ausser dem Randpreis auch Management -bedingte Probleme. Vermutlich wird sich die Gesellschaft ganz aus Südafrika absetzen und die einzelnen interessanten Stücke werden dann von andern Unternehmen aufgekauft. Die Tiefe eines Vorkommens ist eine technische Sache, und da hat man grosse Fortschritte gemacht, siehe Western Area Ltd.

Wenn Gold & Silber deutlich an Wert gewinnen, werden auch die Begehrlichkeiten der Staaten zunehmen, Kontrolle über ihre bzw. ausländische Bodenschätze zu erhalten. Wie sehen Sie hier die Entwicklung?

F.Lips: So viel ich weiss, sind in der ganzen Welt, mit Ausnahme von kommunistisch beherrschten Staaten, in der Geschichte noch niemals Goldminen verstaatlicht worden. Nicht einmal in Zimbabwe.

Ab einer gewissen Menge gibt es beim physischen Silberkauf ein LagerhaltungsProblem. Können Sie eine ideale Alternative dazu empfehlen? Herr Dr. Bandulet erwähnt ein Metallkonto, was halten Sie davon?

F.Lips: Gold und Silber muss man physisch halten. Ich bin gegen Metallkonten. Grosse Silbermengen sind allerdings weder einfach zu kaufen, noch einfach zu lagern.

Wer hat wen im Griff, die USA - über ihren Dollar – die Chinesen und Japaner, oder die Chinesen und Japaner - über ihre Dollarreserven – die USA? Wer sitzt langfristig am längeren Hebel?

F.Lips: Beide hängen im Moment voneinander ab. Längerfristig werden sich die Asiaten als die Stärkeren erweisen. Sehen Sie, Amerika hat seine eigene Verarbeitungsindustrie u.a. in der Ära Clinton/Rubin durch die Politik des starken Dollars kaputt gemacht. Gestern sind die Papiere der einstmals grössten Automobilhersteller General Motors und Ford als Junk (Schrott) erklärt worden. Sehr grosse Zukunftschancen räume ich dem rohstoffreichen Russland ein. Seine Währungsreserven steigen jede Woche an.

Die EU ist auf dem besten Weg, die Stabilitätsgrundlagen aufzuweichen. Wenn dieser Trend weiter zunimmt, welche Folgen könnte das haben?

F.Lips: Die sind schon aufgeweicht worden und zwar von den grössten Ländern: Frankreich, Deutschland und Italien. Die EU könnte auseinander fallen und der Euro würde wieder durch nationale Währungen abgelöst. Wir werden vielleicht mehr wissen, wenn die Abstimmungen über die europäische Verfassung in Frankreich und Holland hinter uns sind. Die Stimmung soll in Frankreich nicht gut sein. Gerade ist ein neues Buch vom französischen Währungsexperten Pierre Leconte erschienen, mit dem Titel: Le Grand Echec Européen (zu deutsch: Das grosse europäische Schachmatt). Darin empfiehlt er mit guten Argumenten, Frankreich solle aus der EU austreten. Im letzten Moment sagen sich die Franzosen vielleicht, dass die EU vielleicht doch nicht das Schlechteste ist und stimmen mehrheitlich mit „ja“. Als solider Schweizer war ich schon immer gegen einen Beitritt der Schweiz zur EU. Ich betone solider Schweizer, weil es auch viele Schweizer gibt, die blind sind und unbedingt gestern schon der EU beigetreten sein möchten. Sogar die Mehrheit unserer Regierung denkt so. Die Sozis sind sowieso dafür. Ich fand immer General de Gaulle’s Idee eines Europa’s der Nationen in einem Europa vom Atlantik bis zum Ural gut. Aber dass wir von nicht-gewählten Beamten in Brüssel regiert werden sollen, kann ich nicht akzeptieren. Anfänglich war ich gegen den Euro, fand ihn aber in der letzten Zeit als Alternative zum Dollar ganz nützlich. Der Euro sollte aber unbedingt einen echten Goldlink haben, sonst bleibt er eine Esperantowährung. Andernfalls scheint mir das ganze Euroexperiment gefährdet zu sein. Jeder sollte Bernard Connolly’s Buch „The Rotten Heart of Europe – The Dirty War for Europe’s” unbedingt lesen, denn da können Sie die abenteuerliche Geschichte Schritt um Schritt zurück verfolgen, wie der Euro zustande kam.

Die amerikanischen Immobilienpreise erreichen neue Höhen, die Schulden nehmen weiter zu und die Luft bei den Aktienmärkten wird zunehmend dünner. Wir beurteilen Sie die aktuellen Entwicklungen? Folgt nun „der“ Aktiencrash oder halten Sie einen Dow Jones bei >20.000 Punkten, im Rahmen starker Inflation, für wahrscheinlicher?

F.Lips: Die Immobiliensituation kann ich nicht so gut beurteilen. Wenn die Häuserpreise steigen, rechnen sich die Leute reich und konsumieren. Das ist, was das FED mit seiner Politik des billigen Geldes auch wirklich anstrebt. Ich möchte keine Crashs voraussagen, obwohl die wegen der sog. Derivat - Neutronenbombe jederzeit möglich sind. Aber ich stelle Ihnen jetzt folgende Prognose: In 3 – 5 Jahren könnten wir einen Dow Jones von 3,000, einen Goldpreis von 3,000 die Unze (1980 war der Dow Jones bei 850 und der Goldpreis ebenfalls bei $850; also 1 : 1) und einen Silberpreis von $200 die Unze sehen. Bei einem solchen Szenario dürfte es zweifellos zu Crashs kommen. Im Falle von Hyperinflation könnte der Dow, wie Sie sagen, auf 20,000 steigen und die Goldunze ebenfalls auf $20,000.

Wir möchten Ihnen abschließend die Möglichkeit geben, ein paar Sätze über ein Thema Ihrer Wahl zu schreiben.

F.Lips:  Ich möchte den Umfang des Interviews nicht noch weiter vergrössern, sondern lediglich folgendes bemerken. Ich bin ein Befürworter des Gold-Standards. Ohne den wird es nicht gehen. In diesem Zusammenhang möchte ich auf drei Interviews, Vorträge und Buchbesprechungen von mir hinweisen, welche Sie auf www.Topgoldinvest.com finden können, nämlich: „Gold Wars, Kriege, Gold und Währungskrisen“, „Bedeutung des Gold-Standards“ und „Interview zu Gold Wars“

Ich danke Ihnen für Ihr Interesse. 

Mit besten Wünschen,

Ferdinand Lips 

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